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Burka – Eine Rezension

Von Kathrin Klausing und Silvia Horsch

“Die Frau, die sieht, ohne gesehen zu werden, frustriert den Kolonialisten. Es gibt keine Gegenseitigkeit. Sie ergibt sich nicht, sie gibt sich nicht hin und sie bietet sich nicht an.” (Frantz Fanon, A Dying Colonialism, 1959)

„Die Burka als Symbol für Unterdrückung, Intoleranz und fiese Folter durch hohe Temperaturen? Weit gefehlt. Mit viel Schwung holt Eva Schwingenheuer das kleine Schwarze aus dem Schatten der Parallelgesellschaft ins Zentrum des Humors.“ Mit diesen Worten bewirbt der Eichborn Verlag ((Eichborn verlegt auch den einschlägig bekannten Udo Ulfkotte.)) das Buch „Burka“ der Künstlerin Eva Schwingenheuer, und wir freuen uns schon: Das ist doch mal was, ein unideologisches und humorvolles Buch über die Vollverschleierung islamischer Frauen, in dem diese als Menschen wie du und ich und nicht entweder als arme Opfer oder islamistische Fundamentalistinnen gezeichnet werden. Gezeichnet hat Eva Schwingenheuer 45 Karikaturen, in denen gerade das leider nicht der Fall ist. Und wie sie darüber hinaus in Interviews kund tut, ist es ihr mit dem Burka-Buch bitter ernst: Patriarchale Strukturen, die Frauen unter die Burka zwingen, will sie damit kritisieren.

Kritik am Patriarchat=Verachtung für seine Opfer?

Dies gelingt ihr allerdings so schlecht, dass man sich fragt, ob es überhaupt beabsichtigt war. Es sind nicht etwa Männer, sondern die Burka-Trägerinnen selbst, die als „Schwestern im Geiste“ der Kapuzenfrauen (?) des Ku-Klux-Klan erscheinen und begeistert „Ja“ schreien, wenn sie von einer Goebbels-Burkaträgerin in Anlehnung an die Sportpalastrede gefragt werden „Wollt ihr die totale Burka?“. Dabei wollte Schwingenheuer, wie sie im Interview sagt, nicht die Burkaträgerinnen selbst kritisieren. Das soll verstehen, wer will. Die Gleichsetzung von vollverschleierten Frauen mit kriegstreibenden Nazis und lynchenden Rassisten ist jedenfalls ein ins Bild gesetztes islamophobes Argument, das dazu dient, die vorgeblich als Opfer wahrgenommenen zu Akteurinnen einer bösartigen Verschwörung zu stilisieren. Das Kaschieren des eigenen Rassismus ist dabei erwünschtes Nebenprodukt.
Es sind solche Gleichsetzungen, die einem das Lachen stecken bleiben lassen, das sich bei einigen halbwegs amüsanten Zeichnungen etwas müde den Weg in den Hals gebahnt hatte. Um es kurz zu machen: Das Buch ist weder witzig noch kritisch. Durch die Verspottung der Künstlerin erfahren Burkaträgerinnen eine doppelte Viktimisierung: Sie sind nicht nur ggf. Opfer eines Kleidungszwanges, sondern auch noch die Zielscheibe des Spotts einer westlichen Frau, die sich damit als Künstlerin und Frauenrechtlerin empfehlen will.

Historische Wegbereiter

Der Schleier der muslimischen Frau – seit dem 17. Jahrhundert ist er Teil eines westlich-patriarchalen Diskurses über den Islam bzw. die muslimische Welt. Dabei geht es nie um die tatsächliche Erfahrung muslimischer Frauen in den unterschiedlichen Ländern oder die tatsächliche Funktion bestimmter Kleidungsstücke für Frauen. Dieser Diskurs erfüllt Funktionen nur für diejenigen, die ihn ausüben. Ganz grob sind das zwei:

  1. Zur moralischen Rechtfertigung für Eroberung, Kolonialisierung und Zwang. Kurz gesagt: Die eigenen nationalen Interessen stehen im Vordergrund – Der Schleier wird zum Sinnbild für Unterdrückung und Qual, aus der es die muslimische Frau ganz uneigennützig zu befreien gilt. Für die Legitimation dieser Argumentation hat der westliche Feminismus bis heute eine essentielle Funktion – man erinnere sich etwa an die moralische Unterstützung diverser Afghanistaneinsätze durch westliche Feministinnen bzw. die vorgeblich feministische Argumentation die diese Einsätze begleitet hat – von Politikern, die sich in anderen Bereichen nicht gerade als Frauenrechtsaktivisten hervorgetan haben.
  2. Zur Konstruktion eines positiven Selbstbildes anhand eines negativen Fremdbildes – Der Schleier bzw. die Abgeschlossenheit der muslimischen Frau wird zum einzigen Grund für die Trennung vom europäischen Mann (”Wenn sie nur könnte, würde sie den weißen, christlichen Mann bevorzugen”) oder zum Zeichen der kulturellen Unterlegenheit, was als Argumentationsposition auch für weibliche Teilnehmer am Diskurs von Interesse sein kann.

In der Kolonialzeit liegt also das Interesse an der verschleierten Frau begründet, das sich im Lauf der Zeit zu einer Obsession entwickelte. Sie galt es zu erreichen und zu verändern im Zuge des größeren Projektes der Veränderung der zu beherrschenden indigenen Gesellschaften. Auch ganz persönliche voyeuristisch-sexuelle Interessen spielen in der Literatur eine Rolle. Nicht erstaunlich sind deshalb auch die zahlreichen Zeichnungen in Frau Schwingenheuers Buch mit einem sexuell-voyeuristischen Anstrich: eine Burka für Prostituierte, eine Sado-Maso Burka, Besuch beim Frauenarzt, eine Burka für den Seitensprung usw. Sie stehen sozusagen in einer Tradition mit Kolonialphantasien zum frustrierenderweise unzugänglichen Harem und passen zur voyeuristischen Gier, bis ins Intimste der verschleierten Frau vorzudringen. Diese Zeichnungen gehen mit einer Abwertung der Abgebildeten einher: Die entblößten, unförmigen und behaarten Beine in mehreren Zeichnungen erinnern an alte rassistische Vorurteile (”Die sind schmutzig!”) und beruhigen gleichzeitig die Konkurrenzangst mancher westlichen Frau auf niedrigstem Niveau (”Die sind in Wirklichkeit hässlich”), denn auch sie wird – aller Befreiung zum Trotz – in der Öffentlichkeit mehr denn je auf ihre körperlichen Reize reduziert und danach bewertet. Frau Schwingenheuer sollte sich übrigens mal in den Schönheitssalons und Boutiquen Saudiarabiens umtun, um zu sehen, was manche vollverschleierte Frauen in Körperpflege und Mode investieren. Diese Schönheit ist nur eben nicht für den öffentlichen, sondern für den privaten Raum gedacht, eine für westliche BeobachterInnen anscheinend unverständliche Idee (”Wozu nur der ganze Aufwand, wenn die Welt mich nicht sehen kann!”).

Im Falle der islamischen Gesellschaften, deren Trennung der Geschlechter einerseits und Trennung privater und öffentlicher Sphäre andererseits, stand das koloniale Vorhaben der gesellschaftlichen Veränderung vor erheblichen Problemen. Die Abgeschiedenheit der Frau stellte den Europäer (und die Europäerin) im fremden Land vor die unbefriedigende Situation, sie noch nicht einmal sehen zu können – von der Möglichkeit kultureller und politischer Einflussnahme ganz zu schweigen. Der Europäer kam, wollte sehen und siegen. Zu sehen und nicht gesehen zu werden, wurde als Macht des Überlegenen über den Unterlegenen gesehen. Das Verweigern des Blickes, anstelle der freiwilligen Selbstpräsentation, stellt diesen Überlegenheitsanspruch daher schmerzlich in Frage.

Kolonial eingestellte Europäer rächten sich für dieses Infragestellen ihrer Macht: indem sie verschleierten Frauen nachstellten, ((So berichtet die französische Iranreisende Jane Dieulafoy in den 1880ern von einer abenteuerlichen Fotoaktion, in der sie zwei Frauen heimlich bei einem Gespräch im Innenhof ihres Hauses fotografierte. Jean Pommerol, eine im 19. Jahrhundert Reisende in die Sahararegion, berichtet von sich, wie sie, ihrer Neugierde nachgebend, einer Frau in einer Gasse auflauerte und versuchte ihr den Schleier vom Gesicht zu reißen. Vgl. Bullock, Catherine: Rethinking Muslim Women and the Veil, S. 11.)) die Entschleierung zu einer politischen Aussage machten und diese später teilweise mit Zwang durchsetzten. Recht früh schon setzte auch eine künstlerische Repräsentation der orientalischen Frau ein, die sie so zeigte, wie man sie gerne gesehen hätte: verführerisch und exotisch – aber vor allen Dingen nackt. Erst waren es die berühmten Odalisken, die die Phantasien des Europäers wenigstens auf dem Bild befriedigten, später waren es Fotopostkarten, auf denen algerische Prostituierte für Geld Haremsszenen nachstellten. Immer ist es die Phantasie des westlichen Mannes, nicht die Wirklichkeit, die durch diese Bilder repräsentiert wird, aber unser Bild über “die muslimische Frau” bis heute prägt.
Der Schleierdiskurs ist im Westen auch heute noch eng mit nationalen Interessen verbunden: sei es um militärische Interventionen in fernen Ländern zu rechtfertigen (”Wir müssen die Frauen vor den Taliban retten!”) oder um der eigenen Partei ein vermeintlich christlich-nationales Profil zu verpassen (siehe die Thematisierung des Kopftuchs innerhalb der CDU).

Der “objektive” Blick – Wirklichkeit und Vorurteil

Am Anfang des “Burka”-Buches steht auch bei Eva Schwingenheuer die Neugier, ausgelöst durch den von der Burkaträgerin verweigerten Blick ins Intime:

Ich sehe diese Frauen mit dem Vollschleier und stelle mir die Frage: Wer steckt darunter? Wie lebt es sich damit? Wie treibt man damit Sport?

Frau Schwingenheuer ist sich dessen höchst wahrscheinlich nicht bewusst, aber sie nimmt an, dass ihr Blick auf die verschleierte Frau absolut ist. Frei nach dem Motto “was ich nicht sehe, das gibt es nicht”. Mit der Abweisung des Blickes durch die Kleidung der Betrachteten in ihrer Neugier frustriert, geht die Zeichnerin von ihrer eigenen Alltags- und Gesellschaftserfahrung aus und macht diese zum absoluten Maßstab: Viele Situationen, die von der Autorin gezeigt werden, orientieren sich an einem westlichen Lebensstil (Tennisspielen, Karneval, Rummel etc.) und verweisen so darauf, dass sie diesen als Maßstab für Befreiung und Glück schlechthin betrachtet.

In Interviews offenbart Eva Schwingenheuer eklatante Unkenntnis über die Lebenswirklichkeit vollverschleierter Frauen (über die frau sich auch erst mal informieren könnte, bevor frau sich an ihre Befreiung macht, aber soweit scheint das “Interesse” dann auch wieder nicht zu gehen):

[Mit der Burka] nimmt man Frauen die optische Individualität und schließt sie zudem weitgehend von einem gleichberechtigten gesellschaftlichen Leben aus. Die meisten Berufe, Sport und einfachste Situationen wie Kaffeetrinken in der Öffentlichkeit sind damit nicht mehr möglich.

Ein Besuch im City Stars ((Anm.: Das ist ein riesiges Einkaufzentrum.)) in Kairo zur richtigen Saison hätte Frau Schwingenheuer mit unzähligen Niqab (Gesichtsschleier) tragenden Frauen beim Cafee Latte schlürfen konfrontiert. Auch die Existenz von Fitnessstudios und Sportclubs in Ländern mit muslimischer Bevölkerung scheint für Frau Schwingenheuer nicht denkbar zu sein (”Die leben ja noch alle in Zelten!”). Historische Einblicke hätten auch zur Erschütterung dieser Vorstellungswelt beitragen können: Die nationale Befreiungsbewegung in Ägypten Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von Frauen der Oberschicht mitgetragen, die u.a. auch öffentlich demonstrierten… mit Niqab, der damals noch Hijab (wird heute oft als Kopftuch verstanden) hieß und meist nur von Frauen der Oberschicht getragen wurde. Von diesen Frauen waren viele auch an der Entwicklung einer genuin ägyptischen Frauenbewegung beteiligt, die auch aus einer islamischen Position heraus argumentierte und sich gegen den Ausschluss von Frauen aus der Öffentlichkeit zur Wehr setzte. Tatsächlich legten im Zuge dieser Auseinandersetzung mit der hergebrachten Haremskultur zahlreiche Frauen den Gesichtsschleier ab – der sie allerdings, wie das Foto einer Demonstration in Kairo im Jahr 1919 zeigt, gerade nicht von politischer Teilhabe abgehalten hatte.

Demonstration in Kairo 1919. Quelle: Wikimedia.

Demonstration in Kairo 1919. Quelle: Wikimedia.

Die Vollverschleierung wird nicht nur unter (staatlichem oder sozialem) Zwang getragen, wie in Saudiarabien oder Teilen Afghanistans, sondern in zahlreichen Ländern der Welt und – so ungern Frau Schwingenheuer das hören wird – von vielen Frauen aus eigenem Entschluss. Sie tragen die Vollverschleierung dann, wenn sie nicht gesehen werden wollen. Diese Frauen gehen schwimmen, sind Lehrerinnen, schminken sich, tanzen, verlieben sich und sind politisch aktiv. Aber das will Frau Schwingenheuer alles gar nicht wissen, sie will wahrscheinlich auch nicht wissen, dass es andere Lebensentwürfe als ihren eigenen gibt, die nicht per se schlechter sind.

Interessant ist doch folgendes: Die Akteurin in der Konstellation “weiße, gutbürgerliche Westlerin betrachtet Burkaträgerin” ist doch (vielleicht für einige überraschenderweise) die Burkaträgerin! Sie ist diejenige, die entscheidet, ob sie gesehen werden will, ob sie Details über ihr Aussehen, ihr Privatleben oder ihren Status bekanntgeben will oder eben nicht. Die Betrachterin wird in diesem Moment in den für sie unerträglichen Zustand der Passivität versetzt. Sie muss hinnehmen, was die andere von sich zeigen will. Sie ist somit ihrer vermeintlich über den Dingen stehenden und objektiven Position enthoben. Dies zieht auch einen Machtverlust nach sich und damit eine nicht zu unterschätzende Frustration.

In Interviews hat sich Frau Schwingenheuer auch zu den Gründen, aus denen Frauen Burka tragen, geäußert:

Was ich persönlich für angemessen und geboten halte, hat ja vor allem mit meiner Sozialisiation und meinem gesellschaftlichen Umfeld zu tun. Ich bin sicher, dass eine Menge Frauen, die heute Burka tragen, das nicht mehr täten, wenn sie nicht dazu gedrängt oder gezwungen würden.

Das gilt nun allerdings für alle Seiten: Wenn ich annehme, dass meine eigene Sozialisation mich zu den Überzeugungen bringt, die ich heute vertrete, muss ich das auch anderen zugestehen – auch Trägerinnen eines Gesichtsschleiers. Wenn ich weiterhin davon ausgehe, dass Sozialisation und Gesellschaft einen gewissen Druck oder sogar auch Zwang auf die Bekleidungswahl ausüben, dann darf ich das getrost auch für meine eigene Wahl annehmen. Frau Schwingenheuer glaubt aber offenbar, dass nur die Burkaträgerin einem Zwang unterliegt, sie selbst sich aber aus völlig freien Stücken für ihren Lebens- und Kleidungsstil entschieden hat. An dieser Stelle sei übrigens auf einen wirklich lustigen Beitrag zur Burka-Diskussion von John Stewart verwiesen, der veranschaulicht, was unserer Meinung nach gelungene Satire ist. (Für Vorsichtige: Ab Minute 1:00 bis 1:07 Augen zu machen, da Carla Bruni als Nacktmodell gezeigt wird.) Gelungen nicht nur, weil auch ein ‘westliches Frauenbild’ mit entsprechenden Kleidungszwängen auf die Schippe genommen wird, sondern vor allem, weil in alle Richtungen ausgeteilt wird und keine ideologische Zielsetzung erkennbar ist. Diese Satire ist außerdem intelligent und vielschichtig (und deshalb witzig) und damit weit entfernt vom dumpf anmutenden ‘Humor’ der ‘Karikaturen’ des Burka-Buches.

Eva Schwingenheuer bemerkt richtig, dass die Burka und ähnliche Bekleidungen unter Muslimen diskutiert werden. Genau dort gehört die Diskussion aber auch hin: unter Muslime. Außenansichten mögen evtl. interessante Blickwinkel zur Diskussion beitragen und sind, als sachliche Kritik vorgetragen, auch eine willkommene Bereicherung. Aber Satire muss, wenn sie denn etwas bewirken soll, aus den eigenen Reihen kommen. ((Und muslimische Beiträge zur Burka gibt es durchaus, vgl. z.B. die Episode Ban the Burka aus der Fernsehserie “Little Mosque on the Prairie” der Produzentin Zarqa Nawaz, die unter muslimischen Bloggern kontrovers diskutiert wird.)) Wenn die weiße, emanzipierte und befreite Westlerin abweichende kulturelle Praktiken durch Lächerlichmachen ‘kritisiert’, um sich auf diese Weise für die unfreien, zurückgebliebenen “Eingeborenen” einzusetzen, kommt das bei diesen nicht so gut an – auch dann nicht, wenn diese bestimmte Praktiken selbst kontrovers diskutieren.

Gekünstelte Provokation als Verkaufsmasche?

Im Interview übt sich die Autorin im Gestus der Märtyrerin. Auf die erwartete Frage hin, ob sie wegen der Zeichnungen nicht mit muslimischen Beleidigungsstürmen rechne, antwortet sie, dass man für die Meinungsfreiheit auch Gefahren in Kauf nehmen müsse. Die Zeichnungen sind offenbar allein deshalb beachtenswert, weil die Autorin es ‘wagt’, einen dem Islam zugeordneten Gegenstand zu kritisieren. “Sie traut sich einiges” bemerkt eine Rezensentin anerkennend zur Zeichnung ‘Nuttenburka’ und sieht in der Goebbels-Burka (s.o.) den Ausdruck des Ärgers (??) der Künstlerin. In diese Richtung gehen bisher fast alle Artikel. Für den Rassismus und Voyeurismus dieses Buches sind sie blind – die Zeichnungen werden gar als “Versuch einer Annäherung” gesehen.
(Erhoffte?) Kritik von Muslimen kann man dann praktischerweise als Angriff auf die Meinungsfreiheit als solche verkaufen, ohne sich ihr inhaltlich und sich selbst den eigenen Vorurteilen stellen zu müssen. Teils rassistische, teils vulgäre, teils geschmacklose und einige wenige lustige Zeichnungen werden so zur mutigen, aufklärerischen Kritik – Kreativität und Qualität der Satire spielen keine Rolle. Nun ist es aber nicht besonders mutig, etwas zu kritisieren, was ohnehin allseits als rückständig und unterdrückerisch gilt. Mutiger fänden wir z.B. eine Karikatur der bisher vergeblichen Bemühungen der NATO, die afghanischen Frauen zu befreien – oder sollte deren Befreiung möglicherweise gar nicht beabsichtigt sein?

Das gefürchtet-ersehnte, marketingwirksame Eskalationsmuster nach dem Modell des ‘Karikaturenstreits’ würde die Verkaufszahlen dieser qualitativ schlechten Satire vermutlich in die Höhe treiben. Wir hoffen daher sehr, dass sich kein Muslim findet, der durch wütende you-tube Beiträge oder ähnliche Aufgeregtheiten eine Publicity-Steilvorlage liefert und so das offensichtlich gewünschte Spiel mitspielt.

Kathrin Ehrenspeck said,

August 10, 2009 @ 7:18 am

Ich habe das Buch auch gesehen, hab’s durchgeblättert und fand’s dämlich – und verletzend. Obendrein lag es auf so einem Angebote-Tisch, also jedem gleich zur Hand, der Lust hat, sich ein bisschen über Unbekanntes zu mokieren.
Zum Eichborn-Verlag: Dort ist auch das Lexikon der Islam-Irrtümer von Alfred Hackenberger erschienen, das mir persönlich nach den Artikeln, die ich bislang gelesen habe, gut erscheint.

BuchTest said,

August 10, 2009 @ 10:34 am

Leider sieht man hier wieder, dass Muslime oft Probleme mit Karikaturen haben, die Teile des Islams oder der damit einhergehenden Traditionen auf die Schippe nehmen. Wer dagegen die Juden-feindlichen Karikaturen der Tagespresse in den arabisch-islamischen Länder beobachtet (z.B. bei www[dot]memri[dot]org), versteht sofort, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte. Wie schon die Mohammed-Karikaturen sollte auch das Burka Buch zumindest möglich sein (schlecht finden kann man es ja immer noch). Hier eine positive Rezension zum Buch: http://www.buchtest.de/rezension/burka.html

@Frau Ehrenspeck: Das Buch von A. Hackenberger ist wohl eines der schlechtesten Gutmenschenbücher in den letzten Jahren: http://www.buchtest.de/rezension/lexikon_der_islam-irrtuemer.html

*Verlinkung im Kommentar wurde geringfügig editiert.

Kathrin Klausing said,

August 10, 2009 @ 1:06 pm

@Kathrin Ehrenspeck: Ich habe das Buch von Herrn Hackensberger gelesen und kommentiert. Ich fand es “gemischt” :-) Hier der Link zur Rezension: http://www.musafira.de/2008/06/16/lexikon-der-islam-irrtumer-%E2%80%93-alfred-hackensberger/

omar said,

August 10, 2009 @ 2:33 pm

@Buchtest: “Wie schon die Mohammed-Karikaturen sollte auch das Burka Buch zumindest möglich sein (schlecht finden kann man es ja immer noch).”

Aber, das ist ja genau das, was die Autorinnen tun. Sie finden das Buch offensichtlich schlecht.
Wie Sie darauf kommen, dass die Rezension ein typisches Beispiel dafür ist, dass “Muslime” mit Kritik nicht umgehen können, ist vollkommen unverständlich.

Ich finde die Rezension sehr gelungen und hoffe, dass sie zu einer größeren gesellschaftlichen Diskussion über vorurteilsbeladene “Satire” beiträgt.

Mellymel said,

August 10, 2009 @ 8:10 pm

Habe das Buch ebenfalls gesehen. Einfach nur dumpfer, lächerlicher Humor! Armes Deutschland!

Silvia Horsch said,

August 10, 2009 @ 9:59 pm

@Buchtest:
Zwei Fragen:
Wo haben wir gesagt, dass Karikaturen nicht möglich sein dürfen?
Was haben wir mit der Presse der arabisch-islamischen Welt zu tun?

Der Vergleich von judenfeindlichen Karikaturen mit den rassistischen Karikaturen im Burka-Buch, wie die “Ku-Klux-Klan-Burka” und die “Goebbels-Burka” (die buchtest besonders gelungen findet – was wohl für sich spricht) trifft die Sachlage allerdings ziemlich gut…

Umm Ishaq said,

August 11, 2009 @ 9:09 pm

@Kathrin und Silvia: wieder einmal ein sehr gelungener Artikel auf nafisa. Besonders lesenswert finde ich den Abschnitt über die Umkehr der Machtverhältnisse, die durch das Tragen eines Gesichtsschleiers u.U. zustande kommt.

@BuchTest: bitte nicht schon wieder diese “Muslime sind ja so humorlos”-Leier. Ich mag “Plaßmanns Woche” und “Greser und Lenz”, politisches Kabarett und auch die gute alte “Titanic”. Was ich allerdings überhaupt nicht ausstehen kann, sind kleine, häufig schlecht gezeichnete Bildchen, die nur dazu erschaffen wurden, den Brachialhumor (falls dieses Wort zutreffend ist) einer auch ansonsten nicht gerade feingeistigen Klientel zu bedienen. In diese Rubrik fallen arabische “Karikaturen” vom Juden mit Hakennase (Streicher lässt grüßen) genauso wie die Plattitüden einer zeichnenden Pseudofeministin.
Wenn Sie an so etwas interessiert sind, suchen Sie doch einfach die “humorvollen” Seiten Ihrer Gesinnungsgenossen auf. Da wird ja allerhand geboten – den vermutlich nach Schafstall stinkenden Dorfpaschtunen, der seine arme burkatragende Frau mit dem Duschvorhang verwechselt, kennen Sie doch bestimmt längst.

Noch einmal zum Artikel: die Kriminalisierung des Gesichtsschleiers oder besser: seiner Trägerin findet statt. Vor allem unsere Nachbarn in Frankreich sind in dieser Hinsicht auf den Hund gekommen. Im Vorfeld der Sarkozy-Rede Ende Juni hatte der kommunistische Abgeordnete Antoine Gerin angeregt, Geheimdienstdossiers über sämtliche 367 Niqabis der Republik anlegen zu lassen. Sein Kollege Jacques Myard (UMP) forderte schon 2006, das Tragen des Schleiers mit 2 Monaten Haft und 3750 € Geldbuße zu ahnden. Im Wiederholungsfall droht das Doppelte an Kosten und 1 Jahr Gefängnis. So stelle ich mir realexistierende “Befreiung” vor.

Andererseits haben auch Muslime selbst viel dazu beigetragen, dass solche Ansinnen überhaupt möglich wurden. Hätte Boubakeur nicht selbst unaufhörlich gestänkert hätten sich die “Befreier” nicht so sicher fühlen können, die Mehrheit der Muslime im Rücken zu haben.
Von daher ist dieser Artikel mit seinem Tenor ein doppelter Lesegenuss.

Too Much Cookies Network » Rezension zu “Burka” von Eva Schwingheuer said,

August 12, 2009 @ 7:11 am

[...] und Silvia haben eine sehr detaillierte Rezension zum Comic-Buch “Burka” von Eva Schwingenheuer geschrieben. Sehr lesenswert sind dabei auch die Analysen der Aussagen von Schwingheuer in [...]

Kathrin Klausing said,

August 12, 2009 @ 11:54 am

@Umm Ishaq: Ich glaube das hat was mit dem Hackordnungs-Prinzip zu tun. Frauen mit Gesichtsschleier sind da anscheinend ganz unten.

mafisch_moch said,

August 12, 2009 @ 5:47 pm

Kann mir eine der hier so engagiert sich echauffierenden Damen einen rationalen Grund nennen, warum Frauen ihr Gesicht verhüllen sollen und Männer nicht?

Silvia Horsch said,

August 12, 2009 @ 10:25 pm

@mafisch_moch:
Haben wir in dem Artikel gesagt, dass Frauen ihr Gesicht verhüllen sollen?

Silvia Horsch said,

August 12, 2009 @ 10:30 pm

@Umm Ishaq:
Die Kriminalisierung der Vollverschleierung hätten wir bei der Rezension auch noch berücksichtigen können, es gibt nämlich auch einige Zeichnungen, die Burka-Trägerinnen als Verdächtige (”Gegenüberstellung”) oder kriminell Handelnde zeigen (”Banküberfall”).

mafisch_moch said,

August 13, 2009 @ 10:04 am

Das ist keine Antwort auf meine Frage. Darum nochmal: Warum sollte eine Frau ihr Gesicht verhüllen? Die Vollverschleierung steht im fundamentalen Wiederspruch zu allen Errungenschaften des Feminismus und der Gleichberechtigung. Das sich jemand dazu satirisch auslässt, muss auch von muslimischer Seite ertragen werden können.

maandukusch_moch said,

August 13, 2009 @ 10:33 am

Die Unfähigkeit, Satire abstrakt zu rezipieren spricht eigentlich schon für sich. Und die Humorlosigkeit, die sich hier unter den Konvertitinnen Bahn bricht, bedarf auch keines weiteren Kommentars. Ich frage mich, ob es nicht wichtigere Fragen gibt, als das ständige Aufregen über eine vermeintlich “rassistische” Welt da draußen. Ganz abgesehen davon, dass es keine Burka-Rasse gibt – also folglich der Begriff Rassismus hier völlig deplaziert ist. In punkto Humorlosigkeit nehmen sich übrigens Evangelikale, sonstige besonders enagagierte Christen, orthodoxe Juden und besonders konservative Teile der muslimischen Gemeinde nichts. Ich plädiere daher für einen Zusammenschluss.

mafisch_moch said,

August 13, 2009 @ 12:04 pm

Es ist interessant, dass in einem angeblich “offenen” Diskurs das Wiederholen der Frage: “Nennt mir einen rationalen Grund, warum Frauen ihr Gesicht verhüllen sollten?” zensiert und rausgenommen wird. Darauf scheint ihr keine Antwort zu haben. Ich wiederhole es aber gerne nochmal: Die Vollverschleierung widerspricht den elementaren Errungenschaften des Feminismus und der Gleichberechtigung – Errungenschaften, für die auch muslimische Frauen in sehr vielen islamisch geprägten Ländern kämpfen. Ihr solltet euch eurer Brandrede für den Niquab schämen. Mafisch faida fiku…

mafisch_moch said,

August 13, 2009 @ 12:10 pm

Aha, jetzt ist mein Beitrag also wieder drin, aber der kritische Vorredner gelöscht worden. Bravo. Also viel Spaß noch bei euren aufgeregten Monologen.

muslima said,

August 13, 2009 @ 12:10 pm

hallo zusammen,
ich würde gerne auch mal aus sicht einer muslima zu diesem buch etwas anderes sagen.
ich habe das buch ebenfalls gesehen und musste auf den ersten blick innerlich schmunzeln. es ist dennoch geschmacklos und absolut unpassend, gerade zu unserer jetzigen zeit, wo allein das kopftuch einen so negativen ruf bekommen hat. dennoch ist meine meinung, dass eine burka oder ein niqab keine islamisch fundierte legitimation hat. viele befürworter berufen sich darauf, die frauen des propheten hätten es getragen. wenn dem so ist, dann sollte man auch wissen, dass die frauen des propheten, wie auch der prophet selbst, eine völlig eigenständige rolle in der islamischen geschichte hatten. als beispiel: die frauen des propheten durften nach seinem tode nicht wieder heiraten oder sie sollten nach dem hijab-vers mit den männern hinter einem vorhang sprechen. als beispiel in bezug auf den propheten sollte jeder muslim auch wissen, das es nur ihm gestattet war, mehr als vier frauen zu heiraten.
aus diesem grund ist es mir als gläubige und überzeugte muslima ein rätsel, wie viele muslime heutzutage den burka oder den nikab rechtfertigen. wie können wir vor allem unsere wunderbare religion unseren mitmenschen zeigen (da´wa machen) wenn wir unser gesicht verdecken und somit eine atmosphäre schaffen, die nicht zum gespräch einlädt?!

Umm Ishaq said,

August 13, 2009 @ 12:43 pm

@mafisch_moch: wollen wir wirklich anfangen, uns auf eine Debatte über die “Rationalität” von Kleidung einzulassen? Wenn Sie es als “irrational” betrachten, das Gesicht zu bedecken (von Gründen wie Sonnen-, Sand-, oder Staubschutz einmal abgesehen), dann haben Sie aber sicher sehr rationale Argumente für
- High Heels, hautenge Hosen, chemikalienangereicherte Kosmetika, etc, etc? Alles misogyne Artikel, die meist von Männern entworfen und “kreiert” werden um frau zumindest temporär ein bißchen “schöner” sprich: sexyier zu machen.
Sie wünschen etwas Männerfeindliches das gleichzeitig religiös konotiert ist?
Was treibt z.B. einen erwachsenen Mann dazu, sich bei gefühlten 40°C Außentemperatur in einen schwarzen Mantel, Pelzmütze und wollene Wadenstrümpfe zu kleiden, die in dieser Zusammenstellung ihren Ursprung im polnischen Adel des 17. Jhds haben und auf verschlungenen Pfaden dann den Weg ins “Stetl” fanden, wo sie seitdem Einheitskleidung wurden.
Wollen Sie ihm das verbieten, nur weil Sie es wahlweise “freiheitsberaubend”, “männerfeindlich”, “lächerlich” oder “hässlich” finden? Oder eben “irrational”? Oder ihn deshalb kriminalisieren? Zum “Sicherheitsrisiko” abstempeln? Wo wir doch spätestens seit Gilles Kepel (”Die Rache Gottes”) wissen, dass auch in diesen Kreisen der gewalttätige Fanatismus blüht. Nein. Sehen Sie, ich auch nicht.
Deshalb erlaube ich mir schon, echauffiert zu sein, wenn, was sich bei dem einen verbietet, bei der anderen zum guten demokratischen Ton zu gehören scheint.

Mohamad Ali Hein said,

August 14, 2009 @ 3:55 am

As-salamu alaikum wa rahmantullah wa barakatuh Umma wa Ahl-al-Khitab,

Ich finde esdoch immer bemerkenswert wie man Kleidungsstuecke fuer ideologische Zwecke missbraucht(aehnlich wie im 3.Reich Runen etc.).Leider vergessen die ueberwiegend Nicht-Muslime dabei historische fakten wie : das Entstehen des Hijab & Burka etc., die Verwandschaft der monasterischen Nonnen Gewandung zu der des Islam(ebenso wie beim Rosenkranz),die Tatsache das erst mit dem Beginn der Kreuzzuege der Schleier im Westen Einzug hielt(Codex Manesse,Stifterfiguren Naumburger Dom etc.), ebenso wie andere Kleidungsstuecke die es ohne islamischen Einfluss gar nicht im Westen gaebe(Stiefelabsaetze etwa,Reiternomaden-erfindung).Und offenbar vergisst man bei der “Vollverschleierung” immer “die blauen Ritter der Wueste”,die Tarqi(Tuareg), kein Mann zeigt sich Fremden unverschleiert ,waehrend die Frauen( wie alle Berber-Frauen) unverschleiert sind.es gilt also dieses Zerrbild des 19.- 21.Jhrd. basierend auf kuenstlerischen Freiheiten zu korriegieren !Zudem den Nasrani(Christen,Nazarener) ihre eigenen Gebote nahe zu bringen wie im NT,Korinther II 5-7 nachzulesen ist .Dort , wie noch heute im Vatikan wird rigid die Verschleierung(Bedeckung des Hauptes) fuer christliche Frauen verlangt

Kathrin Klausing said,

August 14, 2009 @ 1:12 pm

@muslima: Das ist ja genau das was mir meinten, als wir im Text ansprachen, dass es es Themen gibt, die unter Muslimen kontorvers diskutiert werden. Nur hat das Buch und unsere Rezension mit dieser Diskussion gar nichts zu tun.

Kathrin Klausing said,

August 14, 2009 @ 1:43 pm

Also, mafisch alias maandukusch: der/die einzige, der/die hier aufgeregt ist, scheinst du zu sein. Witterst “Zensur” wo keine ist, redest dir humorlose Muslime herbei wo keine sind usw. Wir haben keine Frage “herausgenommen und zensiert”, wir haben es uns schlicht angewöhnt, alle Kommentare zu moderieren, weswegen diese erst dann freigeschaltet werden, nachdem eine von uns die Zeit dafür gefunden hat.

Du hast bis jetzt keine Antwort auf deine Frage bekommen, weil du mit dieser Frage eine Behauptung aufstellst, die in der Grundannahme schon sachlich falsch ist. Ausgedrückt hatte Silvia das mit ihrer Gegenfrage (die auch du nicht beantworten konntest/wolltest):

Haben wir in dem Artikel gesagt, dass Frauen ihr Gesicht verhüllen sollen?

Ich beantworte dir das schnell mal, da ich annehme, dass du gar keine Lust hattest, unseren Text überhaupt zu lesen. Die Antwort ist: Nein! In unserem Text geht es überhaupt nicht um den Niqab oder eine Pflicht diesen zu tragen, es geht noch nicht mal hauptsächlich um muslimische Frauen oder gar den Islam. Wir haben in unserem Text eine ganz spezifische Form der Repräsentation der muslimischen Frau in der westlichen Literatur kritisiert. Wir hatten uns entschieden, dies anhand des Buches von Frau Schwingenheuer zu tun, da es in unseren Augen ein Extrembeispiel für diese Repräsentation darstellt. Wir schämen uns für diese Kritik keineswegs und haben auch nicht vor dies zu tun. Wir sind sehr wohl in der Lage Satire als solche wahrzunehmen (und ggf. darüber zu lachen), es ist nur nach unserer Begutachtung so, dass in diesem Buch versucht wird, ein rassistisches Weltbild als mutige Satire zu verpacken. Wir ertragen dies geduldig, nehmen für uns allerdings die Möglichkeit in Anspruch, dies angemessen zu kritisieren. Ach, ich wiederhole mich, lies einfach den Text.

Das Thema Rassismus hatten wir hier ja auch schon öfter mal. Für dich nochmal: es wird dich überraschen, dass es noch nicht einmal menschliche Rassen gibt – wenn man gewillt ist wissenschaftliche Standards zu beachten. Nach deiner Denke gibt es dann ja wahrscheinlich auch gar keinen Rassismus und wir können alle erleichtert aufatmen, weil ja alles nur Einbildung ist. Es ist nunmal so, dass dieser Begriff (so unpassend er auch ist) sich so etabliert hat, dass er im Prinzip als Oberbegriff funktioniert und gebraucht werden kann. Es gibt andere Begriffe wie “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit”, die das ganze sachlich genauer treffen. Du kannst dich ja einfach mal im Glossar des IDA-NRW umsehen.

Apropos, wir haben deine beiden Nicks nicht editiert. Es wäre aber für deinen nächsten Kommentar wünschenswert, wenn du sachliche und inhaltliche Kritik zum Text formulieren würdest und dabei auf dieses Kindergartenniveau verzichten würdest. Du erhöhst damit deine Chancen, ernst genommen zu werden.

mafisch_moch said,

August 14, 2009 @ 4:48 pm

Ein Computer ist nicht immer eine Person – soviel zu Kindergartenniveau, auf dem sich wohl eher diese beleidigte Kritikposse abspielt. Aber na endlich: Ich bin froh, dass du zugibst, dass es für den Gesichtsschleier keinen rationalen Grund gibt. Jetzt aber sagst du allen Ernstes, dass die Burka oder der Niquab eine Repräsentation der muslimischen Frau sei? Ich fühle mich nicht angesprochen. Und ihr solltet dies auch nicht tun. Ein bisschen Gelassenheit und Abstraktionsfähigkeit würde so manchen rückwärtsgewandten Muslimen sehr gut tun. Für die, in eine ähnliche Richtung gehende Diskussion um die Schalke-Hymne muss man sich inzwischen sogar schämen. Und nochmal: Wenn man euch ernst nehmen soll, dann verzichtet demnächst auf Rassismus-Keulen. Die sind schlichtweg falsch und in diesem Zusammenhang unangebracht und aufhetzend – und sie verschaffen diesem harmlosen Büchlein noch mehr Aufmerksamkeit. Ich denke, dass das gerade nicht eure Intention war. Mir scheint es ein wenig so, als ginge es auch gar nicht primär um das Buch, sondern eher um publizistischen Ehrgeiz.

Silvia Horsch said,

August 14, 2009 @ 10:34 pm

@mafisch-moch:
Ich habe Deine Frage nicht beantwortet, weil es um diese Frage tatsächlich nicht geht.
Muss man sich persönlich angesprochen fühlen, um etwas zu kritiseren? Ich habe kürzlich in einer mail an die Grünen in Kaarst das Wahlplakat, auf dem das Gesäß einer schwarzen Frau abgebildet war, als rassitisch und sexistisch kritisiert, obwohl ich nicht schwarz bin. Genauso kann ich eine menschenfeindliche Darstellung vollverschleierter Frauen kritisieren, auch wenn ich nicht vollverschleiert bin. (Aber abgesehen davon werden Argumente, die Frau Schwingenheuer gegen die Burka bringt, ja auch gegen das Koftuch vorgebracht.)
Wer Gleichsetzungen von vollverschleierten Frauen mit dem Ku-Klux-Klan oder den Nazis vornimmt, ist nunmal rassistisch, und wer findet, dass man darüber gelassen hinwegsehen muss, ist es auch.
Was die Diskussion über die Verwendung des Begriff Rassismus angeht, könntest Du auch mal auf unsere Hinweise eingehen (Kathrin hat die in ihrem letzten Kommentar geliefert), anstatt Dich einfach nur zu wiederholen – was übrigens sehr monologisch ist. Auch auf die Argumente von Umm Ishaq bist Du nicht eingegangen. So kann man nicht zur Sache diskutieren.
Zur Schalke-Geschichte: Wie Du vielleicht gemerkt hast, haben wir uns dazu nicht geäußert. Das liegt u.a. daran, dass wir die Aufregung einiger Muslime ziemlich lächerlich finden. Man kann die beiden Dinge nicht vergleichen: Schalke hat niemanden verspottet, Frau Schwingenheuer schon (und hält das auch noch für Kritik).

Kathrin Klausing said,

August 14, 2009 @ 10:48 pm

ach, und was mir da noch einfällt in Bezug auf Schalke – wenn wir hier schon völlig off-opic driften – ich möchte hier nicht anfangen, die gelassenen Reaktionen muslimischer Verbände, Einzelpersonen und Islamexperten aufzuzählen. Simples googeln genügt da, warum unterstellst du uns, zu den paar hundert Emailschreibern zu gehören? Sind Muslime alle gleich?

Und zum Rest des Kommentars: ich habe nirgendwo “zugegeben, dass es für den Schleier keinen rationalen Grund gibt”. Ich habe mich schlicht und ergreifend dazu überhaupt nicht ausgelassen.

Auch habe ich nicht gesagt, dass der Niqab “die Repräsentation der muslimischen Frau” sei. Frau Schwingenheuer repräsentiert ihre (unserer Meinung nach falsche, rassistische) Vorstellung muslimischer Frauen mit Niqab. So und jetzt wirds mir langsam zu blöd mit einer Wand zu kommunizieren.

mafisch_moch said,

August 15, 2009 @ 8:57 am

Die Wand steht eher auf eurer Seite. Meine zutiefst religiöse Großmutter, Allah jirhamha, war bereits fortschrittlicher als eure Ausführungen. Und Gelassenheit jetzt auch noch als rassistisch zu bezeichnen, ist beleidigend und endgültig neben der Spur. Das ist traurig. Solange das Bild der muslimischen Welt von Mullahs, Taliban, durchgeknallten ultra-rückwärtgewandten Konvertiten, wie Pierre Vogel, und Burkas geprägt ist, wird die restliche Welt (zu Recht) die Nase rümpfen. Ich sehe die Burka ebenfalls als menschenverachtend an, genauso wie andere fanatische Strömungen à la Ku-Klux-Clan. Insoweit verstehe ich die im Netz gezeigten Zeichnungen völlig anders als ihr. Aber wie gesagt: Abstraktion ist anscheinend nicht eure Stärke. Insoweit verabschiede ich mich resigniert und traurig aus dieser Runde und wende mich wieder intellektuelleren muslimischen Vertreterinnen zu – dort wird Diskussion nicht als “zu blöd”, sondern erhellend empfunden. In diesem Sinne: Al Salamu Aleikum.

Umm Ishaq said,

August 15, 2009 @ 11:38 am

Es ist doch immer wieder erfrischend zu lesen, wie (angeblich?) “fortschrittliche” Muslime und gelegentlich auch Andersgläubige auf Diskussionen wie diese einsteigen, keine wirklichen Argumente liefern, auf die Versuche anderer Diskutanten auch nicht weiter eingehen, stattdessen aber mit despektierlichen Adjektiven um sich werfen, die belegen sollen, in was für ein rückständiges Nest man hier gestochen hat.

Nachdem man dann auf diese Weise die Adminstration vorgeführt oder dies zumindest versucht hat, entschwindet man mit dem Verweis auf “intellektuellere muslimische Vetreterinnen”.

Die Frage, wer hier nicht zur Abstraktion und zum Verlassen eingefarener Positionen (man nennt es Selbstreflexion) fähig ist, ist zumindest für mich damit geklärt.

Nina Mühe said,

August 15, 2009 @ 11:58 am

@ mafisch_moch

Schade, dass Du den Eindruck gewonnen hast, Kathrin, Silvia, oder jemand anders würde Diskussion für ‘zu blöd’ halten. Ich habe die Diskussion verfolgt und bewundere vielmehr die Geduld, mit der sie immer wieder versucht haben, ihre Argumente auf verschiedene Art und Weise deutlich zu machen. Schwierig ist es allerdings für eine Diskussion, wenn nicht klar analysiert, sondern die Dinge vermischt und in einen Topf geworfen werden, so wie das leider im islamophoben Diskurs zur Zeit so üblich ist. Damit möchte ich Dich nicht als islamophob bezeichnen, sondern nur die Art und Weise der Argumentation einordnen, die oft gar nicht mehr bewusst eingesetzt wird, sondern sich einfach schon so eingebürgert hat.

Ein grobes Beispiel für diese Vermischung und damit Abtötung jeglicher intellektuellen Diskussion, wie Du sie wünschst, ist Deine Aufzählung der ‘Mullahs, Taliban, ultra-rückwärtsgewandten Konvertiten und Burkas’, über die angeblich zu Recht die Nase gerümpft würde sowie stellvertretend über alle Muslime. Diese Nebeneinanderstellung von Worten – oft auch Bildern – ist in den Medien besonders bei islamfeindlichen Beiträgen – sehr üblich, da man sich damit längere Argumentationen erspart. Man stellt – nicht argumentativ, sondern einfach in der Anordnung – die Burka oder anderes neben die Taliban (oder wie es die Zeichnerin macht und Du es ja gut heißt, neben den Ku-Klux-Klan) und trifft damit eine assoziative Aussage, die man nicht näher erklären muss (kann?), weil sie sich hervorragend in das gesellschaftlich vorhandene islamfeindliche Muster einpasst.

Auch Deine Ausführung, die Burka sei menschenverachtend – was ich als Deine Meinung betrachte und Dir damit nicht absprechen will – und damit gut mit dem Ku-Klux-Klan vergleichbar, ist so eine Art der Vermischung und assoziativen Nebeneinanderstellung, die inhaltlich nicht trägt. Ich nehme an, dass Du es für menschenverachtend hältst, wenn Frauen zum Tragen einer Burka gezwungen werden, was ich durchaus teilen kann. Die Mitglieder des Ku-Klux-Klan aber haben ANDERE Menschen aus rassistischen Beweggründen ermordet, womit Du – wie die Autorin des Buches es eben auch tut – Täter und Opfer vermischst.

Diese Art und Weise der banalen Vermischung und häufigen Nicht-Argumentation ist leider in weiten Bereichen der Gesellschaft zum guten Ton geworden, sobald es sog. ‘Islamkritik’ betrifft. Ein Sozialwissenschaftler drückte es bei einer Diskussion kürzlich so aus:
“Sobald das Gespräch auf den Islam kommt, fällt der IQ ins Bodenlose.”
Dieses Abtöten der intellektuellen Analyse und inhaltlichen Diskussion dann aber auch noch den Autorinnen der Rezension und anderen hier Schreibenden zuzuschieben ist schon in hohem Maße ignorant.

Inhaltliche – auch kritische – Beiträge von Dir und anderen sind natürlich weiterhin willkommen, aber es wäre interessant, sich wirklich inhaltlich auseinandersetzen zu können.

Lilia said,

August 15, 2009 @ 9:20 pm

Zum Thema der künstlerischen Repräsentation des Orients im Westen könnte noch angemerkt werden, dass jeweils ein diametral entgegengesetztes Bild von orientalischen Frauen im Vergleich zu westlichen Frauen gezeichnet wird. So werden beispielsweise die Musliminnen im 19. Jahrhundert als erotische, freizügige Wesen dargestellt, während die Europäerinnen züchtige, bodenlange Röcke tragen. Im 20. und 21. Jahrhundert wendet sich das Blatt, den nunmehr „befreiten“ und fortschrittlichen Westlerinnen in Minirock und Bikini stehen die verschleierten, rückständigen Musliminnen gegenüber. In jedem Falle wird die muslimische Frau zum Inbegriff des „Fremden“ und als abschreckendes Beispiel gezeigt.

Ferishta said,

August 16, 2009 @ 10:38 pm

Ein Lob an Kathrin und Silvia die trotz der peinlichen Kommentare von
mafisch moch gelassen reagieren und überhaupt darauf eingehen.

Und Umm Ishaqs pointierten und intelligenten Kommentare waren die Glanzlichter dieser Diskussion..super, weiter so!

lebenslustig said,

August 18, 2009 @ 10:13 am

Wenn man eine eigene Empfindung abstrakt verargumentiert, klingt es natürlich “irgendwie” richtig… Ich erkenne keinen Rassismus in den Zeichnungen – im Gegenteil – es ist Satire, die niemals ohne ein wenig “Anstößigkeit” auskommen KANN. Die Burka ist weder ein Symbol einer bestimmten Religion, noch eine folkloristische Eigenart. Was darf Satire? Alles. Vielleicht entspringt es ja nur unseren Vorstellungen, aber wenn man sich die Burka als Alltagskleidungsstück vorstellt, so kommt man eben auf eine Menge komischer Vorstellungen. Was soll an einer solchen Sichtweise “rassistisch” sein? Islamophobie ist ehedem ein weiterer argumentativer Schlagknüppel, der sicher auch seine Berechtigung hat, aber durch seine inflationäre Verwendung banalisiert, beliebig, instrumentalisiert wird.

Ich lache über Nonnenwitze? Nonnenwitze können ebensowenig “rassistisch” sein, wie “Burkawitze”. Nonnenwitze und “Pfaffenwitze” sind demnach also “christenfeindlich”? So wie Burkawitze “islamophob” sind – grundsätzlich oder nur der ein oder andere?

Von welchem Islam sprechen wir hier? Sind nun alle muslimischen Frauen, die keine Burka tragen keine “wahren” Mitglieder? Von welcher “Verschleierung” wird gesprochen, die wo in welcher Auslegung des Islams wie vorgeschrieben ist? “Auch Behinderte haben das Recht verarscht zu werden” sagte einstmals Harald Schmidt. Und nein – ich vergleiche nicht keine burkatragende Frau mit einem Menschen mit Behinderung, sondern ich vergleiche den SInn dieser Aussage mit der zugrundeliegenden Motivation einer Karikatur.

Es ist sehr irreführend, wenn verschiedene Kategorien miteinander verglichen werden… Es wird in der “totalen Burka” nicht die einzelne muslimische Frau in Burka mit “dem Nationalsozialismus” verglichen, sondern für meine EMPFINDUNG (und diese begründe ich, dazu brauche ich keine abstrakten “Verargumentationen” ) trifft das mein Humorzentrum an einem ganz anderen Punkt.

Die Burka ist kein Teil der islamischen Kultur, sondern eine Erfindung von Islamisten. Islamisten sind so findamental und extremistisch wie Rechtsextreme eben auch. Ich sehe keinen großartigen Unterschied in der QUALITÄT dieser beiden Ideologien, die bestimmte Menschen gruppenhaft als minderwertig beschreiben und diese Auffassung auch handlungsrelevant wird.

Anstattdessen stempelt man eine Kpnstlerin als “Kolnialistin” ab… Hey, es gab schon einige Generationenwechsel. Und die grundlegende Kritilk an einem Gefälle setzt wenn beim Kapitalismus an, der einige Länder und den Minderheit der Menschheit von vielen Ländern und der Mehrheit der Menschen profitieren lässt. Gerade weil ich keinen Menschen als minderwertiger betrachte als einen anderen, gibt es für mich auch keine Verknüpfung zwischen “gut” und “böse” und einer bestimmten Kategorie von Mensch. Ich sehe mich nicht in der Tradition von KolonialistInnen. Und nur, weil mir meine Sozialisation etwas als “seltsam” oder “komisch” erscheinen lässt, muss das noch lange nicht in einer Abwertung münden, rst Recht nicht in einer eigenen, zudem noch gruppnhaften Aufwertung.

lebenslustig said,

August 18, 2009 @ 10:19 am

“Und nein – ich vergleiche nicht keine burkatragende Frau mit einem Menschen mit Behinderung, sondern ich vergleiche den SInn dieser Aussage mit der zugrundeliegenden Motivation einer Karikatur.2

Bitte das “keine” durch “eine” ersetzen. Und bitte im nachfolgenden die Rechtschreibefehler ignorieren.

lebenslustig said,

August 18, 2009 @ 11:16 am

“Muss man sich persönlich angesprochen fühlen, um etwas zu kritiseren? Ich habe kürzlich in einer mail an die Grünen in Kaarst das Wahlplakat, auf dem das Gesäß einer schwarzen Frau abgebildet war, als rassitisch und sexistisch kritisiert, obwohl ich nicht schwarz bin.”

Dieses Plakat fand ich z. B. misslungen (aus vielerlei Gründen), aber keinsfalls rassistisch. s waren zwei lesbische Frauen dargestellt, die sich begehrlich umfassten. Noch nicht einmal “sexistisch” konnte ich es (somit) empfinden. Und da ich in meinem Gefühl der “schwarzen” Frau keine unterlegenere Position der weißen Frau gegenüber zuweise, KANN ich dieses Plakat nicht als rassitisch empfinden.

Ich fragte mich lediglich, ob “sex sells” nun auch im politischen Wahlkampf eingezogen ist. Und selbst dieses Motiv empfand ich nun nicht übermäßig durch dieses Plakat repräsentiert, da dort gleichzeitig “lesbische Liebe” selbstverständlich und unkommentiert dargestellt wurde und bestimmt sehr viele in ihren Sehgewohnheiten irritierte. Vor allen Dingen wurde mit diesem Plakat noch ein weiteres Klischee durchbrochen, nämlich das lsbiche Frauen selten als begehrende Menschen dargestllt werden, sondern meist eine mädchenhafte Kuschelromantik damit verbunden wird oder das verbissene, überemanzipierte Mannsweib. Das eine lesische weiße Frau eine lesbische schwarze Frau dominiert, ist ja nicht gerade eines der vielen gewöhnlichen Denkmotive, welches nun massenhaft durch diese Darstellung reproduziert wurde.

Was ich mit der Darstellung meiner Empfindungen nur aufzeigen will: Nur, weil man für Empfindungen auch entsprechende Argumente anführt, müssen diese weder etwas mit der Lebenswirklichkeit der Rezipienten oder der Schaffenden zu tun haben. Und selbst, wenn die angeführten Argumente für sich betrachtet stimmig und richtig sind, heißt das auch nicht, dass sie einen wirklichen Bezug aufnehmen bzw. den Bezug tatsächlich widergeben können.

Kathrin Klausing said,

August 18, 2009 @ 4:15 pm

@lebenslustig: Der Schnelligkeit halber gehe ich zitatweise auf Ihre Kommentare ein:

Wenn man eine eigene Empfindung abstrakt verargumentiert, klingt es natürlich “irgendwie” richti

Wir haben keinerlei Empfindungen “verargumentiert” in diesem Text, sondern sind auf einzelne Äußerungen und Zeichnungen Frau Schwingenheuers eingegangen und haben diese in einen jahrhundertealten Diskurs eingeordnet.

Was darf Satire? Alles.

Ok, das können Sie so sehen, wir haben hier jedoch nie thematisiert ob Satire irgendetwas darf oder nicht. Wir haben lediglich (ich wiederhole mich) argumentativ unsere Kritik an Frau Schwingenheuers Zeichnungen und ihren Äußerungen kundgetan. Darf Satire kritisiert werden? Ein klares Ja! von unserer Seite.

Islamophobie ist ehedem ein weiterer argumentativer Schlagknüppel

Und manches Mal wird das “argumentativer Schlagknüppel-Argument” selbst zum Totschlagargument. Es ist schlicht und ergreifend eine Verdrängungstaktik, dem anderen argumentative Schlagknüppel vorzuwerfen, um dann auf keines seiner Argumente mehr eingehen zu müssen. Wir haben uns dazu entschlossen Rassismus oder Islamphobie (oder wie man es denn nun nennen möchte) beim Namen zu nennen, wenn wir sie meinen vorzufinden. Natürlich sind wir seriös genug, dies auch mit Argumenten schlüssig zu belegen und eben nicht inflationär bei jedem kleinen “Aua” aufzuschreien.

Ich lache über Nonnenwitze? Nonnenwitze können ebensowenig “rassistisch” sein, wie “Burkawitze”. Nonnenwitze und “Pfaffenwitze” sind demnach also “christenfeindlich”? So wie Burkawitze “islamophob” sind – grundsätzlich oder nur der ein oder andere?

Wir lachen über Burkawitze, wenn wir sie denn witzig finden. Da gibt es genug, zwei Beispiele haben wir ja aufgezeigt. Es geht nicht darum, dass Kritik oder Satire generell abzulehnen wäre, wenn es um “Islam” oder “Muslime” geht. Ich denke, das wird auch immer wieder in unseren Äußerungen klar. Wie kommen Sie also überhaupt auf diesen Trichter?

Von welchem Islam sprechen wir hier? Sind nun alle muslimischen Frauen, die keine Burka tragen keine “wahren” Mitglieder?

Auch hier muss ich mich leider wiederholen: Es geht in dem Text nicht um “Islam”, “Muslimische Frauen”, “Burkas” oder wer mit welcher Kleidung ein guter Muslim sein soll. Es geht ganz einfach nur um Frau Schwingenheuers Darstellungen, Ansichten und Äußerungen, die wir kritisieren. Diese haben – das ist unsere Schlussfolgerung – nichts mit realen muslimischen Frauen zu tun, egal was sie anhaben.

Es wird in der “totalen Burka” nicht die einzelne muslimische Frau in Burka mit “dem Nationalsozialismus” verglichen

Es wird eine Burkaträgerin mit Goebbels verglichen und zahlreiche andere mit der fanatisierten Masse. Welchen Punkt in ihrem Humorzentrum trifft das genau? Würde mich einfach interessieren, ich kann es einfach nicht begreifen…

Die Burka ist kein Teil der islamischen Kultur, sondern eine Erfindung von Islamisten.

Zweimal falsch. Der Islamismus ist ein modernes Phänomen des letzten Jahrhunderts (auch hier wieder nicht ohne den Kolonialismus und Besatzung zu deuten). Die Burka, oder ganz allgemein Gesichtsverschleierungen sind ein uraltes Phänomen im Mittelmeerraum und im Nahen und Mittleren Ostens, das noch auf Zeiten vor dem Islam zurückgeht. Es ist nun so, dass durch den Islamismus bestimmten Bekleidungsarten eine neue teils abwertende, unterdrückende aber auch aufständische Wertung zu kam. Diese ist allerdings nicht immer mit der Motivation aktuell sich verhüllender Frauen gleichzusetzen.

Islamisten sind so findamental und extremistisch wie Rechtsextreme eben auch.

Ich lasse diese Behauptung mal so stehen. Aber erklären Sie mir doch bitte, warum dann nicht die Islamisten satirisch in Szene gesetzt werden sondern die Opfer dieser Ideologie?

Anstattdessen stempelt man eine Kpnstlerin als “Kolnialistin” ab

Haben wir nicht getan.

Nun noch zum Grünenplakat. Ich empfehle Ihnen die Lektüre zur Diskussion auf dem Blog vom Braunen Mob. Das Bild sagt in Kombination mit dem Spruch “Der einzige Grund schwarz zu wählen” aus, dass der einzige Grund für schwarz (hier symbolisiert durch das Gesäß einer schwarzen Frau) die Sexualität ist. Verkürzt: Schwarze sind nur für Sex gut. Das ist ein altes rassistisches Klischee, das schwarze Menschen einfach nicht mehr hören wollen, es ist zu sehr ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, zu sehr mit Abwertung, Missbrauch und Entwürdigung verbunden (die Hand einer weißen Frau macht das um keinen Deut weniger sexistisch oder rassistisch). Keiner von uns lebt im luftleeren Raum ohne Vergangenheit. Die “alten” Diskurse sind lebendig und werden noch immer bedient. Sich wie der Kreisvorstand der Grünen zu rechtfertigen mit dem “Argument”, man könne nicht als rassistisch bezeichnet werden, weil man ja grün wäre, ist doppelt frech und deutet nur auf die massive Unfähigkeit zu selbstkritschem Denken hin. Mehr leider aber auch nicht.

Sonny said,

August 19, 2009 @ 1:36 pm

Sicherlich gibt es schlechte Satire, und das besprochene Buch mag in dieser Hinsicht kritikwürdig sein. Aber zumindest den Gegenstand, nämlich die Burka, sollte man deshalb noch lange nicht verteidigen. Wenn die Burka kein Zeichen von Fundamentalismus und Islamismus ist, was dann? Hier ist allein schon aus praktischen Gründen (Vermummungsverbot, Ausweispflicht) ein Verbot nach frz. Vorbild zu prüfen.

Daß die Autorin des Buches die Burka nur als Vorwand nimmt, um generell gegen das Kopftuch (gegen das nichts einzuwenden ist) und gegen den Islam zu agitieren, mag sein — aber das kommt in der Rezension m.E. nicht deutlich genug heraus.

Kathrin Klausing said,

August 19, 2009 @ 4:03 pm

@Sonny:

Wir haben eine Rezension über das Buch geschrieben und nicht über die Burka bzw. Gesichtsverschleierung. Wir verteidigen auch nicht die Gesichtsverschleierung, sondern treten z.B. dafür ein, dass auch die Frauen die ihr Gesicht verhüllen (ob nun als Opfer eines Zwanges oder als autonome Frauen, die selber darüber entschieden haben) eine Würde haben und ein Recht darauf, nicht mit einem Goebbels oder dem Ku-Klux-Klan (Denkanstoß: ideologisch motivierte Abschlächter von Minderheiten) gleichgesetzt zu werden.

Hinsichtlich Verbot: das existiert doch in Deutschland schon, keine Frau (und kein Mann) darf vermummt auf eine Demonstration oder sich mit Gesichtsbedeckung für den Ausweis ablichten lassen. Alles andere ist Privatsache.

Wenn die Burka kein Zeichen von Fundamentalismus und Islamismus ist, was dann?

Es gab diese Kleidungen vor dem Islamismus; es gibt Frauen, die tragen diese Bekleidung ohne Zwang und ohne politische Motivation mit einer positiven Besetzung. Das sollte Grund genug sein, diese Kleidung nicht zu einem Symbol hoch zu stilisieren. Auch wenn manche das gerne so sehen würden. Ich sehe ganz klar, dass politisch-religiöse Bewegungen in der islamischen die Rolle der Frau (und mit ihr ihre Art der Bekleidung sehr wohl zu einem Politikum gemacht haben (was man wie gesagt, nicht ohne die Vorgeschichte verstehen kann, Stichwort: Zwangsentschleierungen).

Umm Ishaq said,

August 20, 2009 @ 11:10 am

Die Frage, die ich an die Befürworter eines Verbots des islamischen Gesichtsschleiers richten möchte lautet, welchen persönlichen Nutzen sie daraus ziehen. Gut, sie mögen vom Anblick einer Munaqqaba “verschont” bleiben. Doch bei gerade einmal 367 vollverschleierten Frauen in ganz Frankreich (Quelle: Inlandsgeheimdienst DST) und einer Gesamzbevölkerung von rund 62 Mio ist die Wahrscheinlichkeit, einer von ihnen zu begegnen, weniger wahrscheinlich als ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.
Natürlich sehen die Initiatoren der Anti-Niqab-Kampagne das anders. Antoine Gerin beispielsweise argumentiert (wenngleich er dabei auf Belege verzichtet) “vor ein paar Jahren” habe es “nur zwei oder drei” verschleierte Frauen gegeben. Dass es inzwischen an die 400 sind, deutet er um zu einem “gefährlichen Trend”, der klar anzeige, dass der “radikale Islam” auf dem Vormarsch sei.

Diese Furcht des Bürgers ist der Casus knaxus. Der tatsächliche fühlbare Nutzen aus einem Verbot in Form von einem Gewinn an individueller Lebensqualität, sozialem Wohlstand, mehr Sicherheit ist gleich Null. Ein Verbot ist nicht mehr als ein psychologisches Moment, dass dem besorgten Bürger zeigen soll: “Wir haben den radikalen Islam im Griff” und indem man seine vermeintlichen “Flaggen” heruntereißt, domestiziert man die gefährlichen Ideen in den Köpfen einiger weniger Fanatiker ebenfalls. Durch den Zusatz, “Propaganda für den Niqab” ebenfalls unter Strafe zu stellen und ggf. mit sofortiger Abschiebung zu ahnend wird dieser Wille, den (radikalen?) Islam dorthin zu verweisen, wo man ihn gern wieder sähe nur noch unterstrichen.

Die Frauen sind hier nichts weiter als Mittel zum Zweck. Sarkozy, Myard, Gerin et.al. unterscheiden sich da nicht großartig von ihren Antipoden im Nahen und Mittleren Osten

Sonny said,

August 24, 2009 @ 9:56 pm

Da hat mir wohl die Software einen Streich gespielt, deshalb nochmal @ Kathrin

Natürlich haben diese Frauen eine Würde, die ihnen niemand abspricht — aber das heißt nicht, daß sie sich alles erlauben könnten.

Und militanten Islamismus würde ich durchaus mit den Nazis oder dem Ku-Klux-Klan auf eine Stufe stellen.

Privatsache sind Dinge, die man privat (also zu Hause) tut. Hier geht es aber um das Verhalten in der Öffentlichkeit — und da sind bestimmte Regeln, Verbote etc. notwendig.

Ich bin auch dagegen, Symbole überzubewerten (auch bei Nazi-Symbolen usw. würde ich mir mehr Gelassenheit wünschen).

Im Falle der Burka sind es aber eindeutige praktische Gründe, die das Tragen in der Öffentlichkeit ausschließen sollten — um die Symbolik geht es mir dabei (anders als der Buchautorin) gar nicht so sehr.

Kathrin Klausing said,

August 24, 2009 @ 10:13 pm

@Sonny: Du vermischt Dinge. Für dich ist die Frau mit Burka gleichzusetzen mit Islamismus, der wiederrum gleichzusetzen mit den Nazis und dem Ku-Klux-Clan. Ich widerspreche jeder einzelnen dieser Gleichsetzungen, möchte aber beid er ersten bleiben. Also erkläre mir bitte (mit Argumenten): Was rechtfertigt die Gleichsetzung einer Frau mit Burka mit Goebbels oder dem Ku-Klux-Klan?

Petra said,

September 20, 2009 @ 1:31 am

“Und wie sie darüber hinaus in Interviews kund tut, ist es ihr mit dem Burka-Buch bitter ernst: Patriarchale Strukturen, die Frauen unter die Burka zwingen, will sie damit kritisieren.

Dies gelingt ihr allerdings so schlecht, dass man sich fragt, ob es überhaupt beabsichtigt war. Es sind nicht etwa Männer, sondern die Burka-Trägerinnen selbst, die als „Schwestern im Geiste“ der Kapuzenfrauen (?) des Ku-Klux-Klan erscheinen und begeistert „Ja“ schreien, wenn sie von einer Goebbels-Burkaträgerin in Anlehnung an die Sportpalastrede gefragt werden „Wollt ihr die totale Burka?“.

Dabei wollte Schwingenheuer, wie sie im Interview sagt, nicht die Burkaträgerinnen selbst kritisieren. Das soll verstehen, wer will.”

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Das sehe ich nach der Lektüre dieser Rezension genauso (das Buch selbst habe ich nicht gesehen, denke aber, daß man sich auf Tatsachenschilderungen wie die hier vorgetragenen verlassen kann).

Das Buch ist auch ausweislich der Interviews, von denen berichtet wird, von dessen Urheberin weder als seichte Unterhaltung a la B… (dann würde sich die Diskussion erübrigen) noch als Satire, wie hier von einigen Vorrednern dargestellt, konzipiert worden. Wäre letzteres der Fall, dann wären Argumente gegen die Rezension fragwürdig, denn wer austeilt, muß auch einstecken können.

Tatsächlich ist es aber den zwei Autorinnen der Rezension sehr gut gelungen, sich nicht in die Niederungen eines Werkes zu begeben, welches die von seiner Urheberin selbst gelegte Meßlatte meilenweit verfehlt hat. Diese riesige Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist in meinen Augen das Thema der Rezension, nichts anderes. Die Autorinnen haben jedes Recht, darauf öffentlich hinzuweisen.

Petra

Yasin Andreas Herrmann said,

March 13, 2010 @ 12:13 am

Salam,

mit Genuss habe ich die Rezension gelesen, mit einer noch viel größeren Freude die anschließende Diskussion verfolgt.

Unabhängig von dem Inhalt der Rezension und eigentlich auch – zumindest auf den ersten Blick – der Diskussion, bin ich begeistert von der Frische und der überwiegenden Sachlichkeit, ja, der Streitkultur (wenn ich es so nennen darf), die ich manchmal bei uns Muslimen ein wenig vermisse.

Auf den zweiten Blick: Ist es nicht so, dass einfach alles – zumindest aus einer weltlichen Sicht heraus – eine Frage der Perspektive ist? Egal, wie an welches Thema auch immer herangegangen wird, nie wird man es allen recht machen können. Witzig ist dabei, dass es darum auch oft gar nicht geht und spannend wird es eben dann, wenn Diskutanden hinzutreten und Kritik zu einem Gegenstand äußern, der selbst wiederum überhaupt keine Relevanz für den Urheber des zur Diskussion stehenden Themas hatten. Jeder sieht eben in allem ein Stück weit etwas anderes, eigenes. Natürlich ist es keine Lösung, wenn dies dann irgendwann der hinzugetretene Diskutand bemerkt und sich von der Diskussion aufgrund seiner komfortablen Position, einfach gehen zu können, wenn es ihm zu viel wird, verabschiedet. Um so schöner ist es jedoch zu sehen, dass die Autorinnen keinen Anschein erweckten, sich irgendeines Vorwurfs zu entziehen, sich vielmehr versuchten jeder Kritik sachlich zu stellten. Natürlich sind war alle „beeinflusst“ und nicht frei von Bildern, jedoch hatte ich bei so manch einem Diskutanden das Gefühl als verbierge sich eine ideologische Motivation hinter der Kritik.

Naja, und bei all den schönen Argumentationen – und wenn man von einer Argumentations-Schlacht sprechen möchte, ist diese von kopftuchtragenden, integrierten und zum Verdruss eines manchen Westlers auch noch überaus intellektuellen FRAUEN (alhamdulillah!!!) in wundervoll manierlicher, sachlicher und auch koranischer (29:46) Weise gewonnen worden (auch wenn es darum gar nicht ging) – zeigt sich vielleicht – auch im Sinne von Sabine Schiffer – das (auch (oder erst recht) muslimische) frau es niemandem recht machen kann: ist sie still und trägt eine Verschleierung, dann muss sie befreit werden, ist sie laut und auch noch gebildet, ist sie gefährlich, fanatisch, „terroristisch“ oder – wie es auch immer wieder seitens der Kritik-Kritiker geäußert wurde – übersensibel reagierend auf Islam-“Kritik“usw. Es wird also ständig genörgelt.

Wie auch immer: ich fand die Rezension einfach klasse. MashaAllah, weiter so!

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