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Gewalt gegen Frauen kennt keine Kulturgrenzen

Unterschriftensammlung!

Violence against women and girls continues unabated in every continent, country and culture. It takes a devastating toll on women’s lives, on their families, and on society as a whole. Most societies prohibit such violence — yet the reality is that too often, it is covered up or tacitly condoned.

UN Secretary-General Ban Ki-Moon, 8 March 2007

“Gewalt gegen Frauen und Mädchen besteht unvermindert auf jedem Kontinent, in jedem Land und jeder Kultur. Sie fordert einen verheerenden Tribut vom Leben der Frauen, ihren Familien und von der Gesellschaft als Ganzem. Die meisten Gesellschaften verbieten solche Gewalt – in der Realität jedoch wird sie zu oft verdeckt oder stillschweigend geduldet.”
So äußerte sich der UN Generalsekretär Ban Ki-Moon am 8. März 2007 und startete am 25. Februar 2008 während der Sitzung der VN-Frauenrechtskommission in New York, eine mehrjährige Kampagne, um die Bemühungen gegen Gewalt an Frauen weltweit zu intensivieren.

Zum 25. November diesen Jahres soll Ban Ki-Moon eine Liste mit 1 Million Unterschriften gegen Gewalt an Frauen und Mädchen überreicht werden. Bis zum 24. November kann die Kampagne daher noch mit einer Online-Unterschrift bei www.saynotoviolence.org unterstützt werden.

Die Kampagne von Unifem richtet sich nicht nur gegen Gewalt an Frauen in nicht-europäischen Ländern und Traditionen, wie etwa gegen Genitalverstümmelung, Ehren- oder Mitgiftmord, sondern stellt fest, dass weltweit fast jede dritte Frau Opfer von Gewalt wurde und dass laut einer Studie Gewalt für Frauen zwischen 15 und 44 Jahren eine der Hauptursachen von Tod und Invalidität ist. Der UN Trust Fund zur Unterstützung von Aktionen zur Eliminierung von Gewalt gegen Frauen hat sich die Bewusstmachung und Bekämpfung aller Formen und Ursachen von Gewalt gegen Frauen zum Ziel gemacht, darunter auch illegaler Frauen- und Mädchenhandel, Gewalt gegen Frauen in Kriegszeiten und als Kriegsmittel und häusliche Gewalt, welche in allen untersuchten Ländern ein verheerendes Ausmaß hatte. So war Japan laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO das einzige Land, in welchem weniger als 20% der befragten Frauen von häuslicher Gewalt berichteten. Die Spitze bildete das ländliche Äthiopien mit 71%.

Auch wenn die momentanen Debatten über Zwangsehen und Ehrenmorde ihre unbedingte Berechtigung haben und adäquates politisches Handeln dagegen sowie Unterstützung der Betroffenen dringend benötigt werden, dürfen sie nicht den Blick auf die Tatsache verstellen, dass auch in unserer Gesellschaft jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch einen Lebenspartner erlebt. Eine vergleichende Studie von Monika Schröttle und Stéphanie Condon zu Gewalterfahrungen von Frauen in Deutschland und Frankreich, fand 2006 heraus, dass zwar der Prozentsatz an Frauen mit Gewalterfahrungen in Paarbeziehungen bei den Befragten mit Migrationshintergrund vergleichsweise höher war als bei den Frauen der Mehrheitsbevölkerung, aber auch bei letzteren immer noch 29% betrug im Vergleich zu 9% in Frankreich. Die Autorinnen der Studie warnen daher vor einer pauschalisierenden innerdeutschen Debatte,

die hier künstliche Polarisierungen zwischen Frauen deutscher und türkischer Herkunft herstellt (und) diese Probleme der Mehrheitsbevölkerung (zu)deckt und () Gleichstellungsdefizite und innerfamiliäre Gewaltprobleme in unzulässiger Weise (kulturalisiert). ((Monika Schröttle: Zwangsverheiratung, Gewalt und Paarbeziehungen von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland – Differenzierung statt Polarisierung; in: Zwangsverheiratung in Deutschland; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend))

Stattdessen ist es wichtig, die Kräfte und Erfahrungen im Kampf gegen Gewalt an Frauen zu bündeln und die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure so gut wie möglich miteinander zu vernetzen. Ein gutes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist das Projekt Hand in Hand gegen Zwangsheirat, bei dem die Stadt Rotterdam gemeinsam mit der muslimischen Dachorganisation Spior diese gesellschaftliche Problematik angeht ((Das Projekt wurde 2008 auch in Berlin und anderen europäischen Städten gestartet)).