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Interview mit Silvia in der IZ

Silvia spricht in der IZ über ihren Weg zum Islam, ihr Studium, das Kopftuch als Symbol und Nafisa.de. Hier kann man das Interview lesen.

Zum Mord an Marwa e-Sherbiny

Silvia hat einen Kommentar zu den Reaktionen auf den Mord an Marwa el-Sherbiny in einem Dresdner Gericht geschrieben. Hier entlang…

Veranstaltungsbericht “Mit Kopftuch außen vor”

Zwei unserer Leserinnen haben die Veranstaltung „Mit Kopftuch außen vor.“ am 25.05.2009 in der Technischen Universität Berlin besucht und einen Bericht dazu verfasst.

Bericht zur Veranstaltung „Mit Kopftuch außen vor.“ am 25.05.2009 in der Technischen Universität Berlin

(Bericht: Franziska Latta)

Teilnehmende:
Seyran Ateş (Buchautorin, Rechtsanwältin),
Eren Ünsal (Berliner Senat – Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales),
Prof. Dr. M. Gilzmer (Lehrstuhl für Französische Philologie; Moderatorin und Initiatorin der Veranstaltung)

Die Veranstaltung fand auf Initiative von Frau Prof. Dr. M. Gilzmer sowie angelehnt an die vor etwa sieben Monaten vom Berliner Senat herausgegebene Broschüre „Mit Kopftuch außen vor?“ statt.
Bevor die Diskussion auch für die anwesenden Gäste eröffnet wird, bleibt die Debatte auf Prof. Gilzmer, Seyran Ateş und Eren Ünsal beschränkt. Letztgenannte ist seit sieben Monaten Leiterin der Senatsstelle für Migration und Integration. An der Broschüre, die 2008 erschien und als Aufhänger der Veranstaltung fungiert, hat sie selbst nicht mitgewirkt. Ünsal erklärt, die Broschüre solle für Diskriminierung sensibilisieren und damit zu deren Abbau in der Gesellschaft beitragen. Das Kopftuch als solches sollte dabei nicht thematisiert werden. Zum einen könne man mit solch einer Broschüre das Thema Kopftuch gar nicht tiefgründig genug aufgreifen, zum anderen sei es nicht die Aufgabe der Senatsverwaltung für Integration, dieses Thema ausführlicher zu behandeln.

Gerade die Nicht-Thematisierung des Tragens und der Motive sowie Konsequenzen des Tragens eines Kopftuches werden jedoch von Ateş kritisiert. Die Broschüre herauszugeben sei verantwortungslos. Sie protestierte deshalb u.a. zusammen mit Terre des Femmes gegen die Veröffentlichung der Broschüre, die zu einseitig und minimalistisch sei. Ateş geht es dabei, wie sie selbst sagt, um die Gleichberechtigung der Geschlechter, die mit einer politischen Einstellung verbunden sei. Das Kopftuch beispielsweise beinhalte solch eine politische Einstellung. Es gefährde nichts Geringeres als die Grundrechte.

An einem Beispiel, dass sie einer Radiosendung entnimmt, baut sie ihre gesamte Argumentation auf. Das Beispiel lautet wie folgt: Ein sunnitischer Moslem und Unternehmer ruft bei einem Radiosender an und erklärt, er fühle sich durch diese Broschüre diskriminiert. Es sei nämlich gegen seine politische Einstellung und gegen seinen Glauben, dass eine muslimische Frau arbeitet. Also könne er auch keine muslimische Frau, die das Kopftuch trägt, einstellen. Um ihre Argumentation und das Beispiel zu bekräftigen, vergleicht Ateş die Situation der Muslima mit der eines Skinheads: Der Anrufer stelle ja auch keinen Skinhead ein, da das seiner politischen Auffassung widerspräche. Diesen Vergleich lässt Ünsal nicht gelten. Sie weist darauf hin, dass alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Rechte haben sollten und zwar unabhängig ihrer Religion. Das heißt, dass nach Möglichkeit kein Mensch diskriminiert werden sollte.

Ateş führt in diesem Zusammenhang das 2002 in kraft getretene Berliner Neutralitätsgesetz an. Seitdem, so Ateş, hätte sich keine einzige Frau beim Senat über eine Diskriminierung beschwert. Tatsächlich verhält es sich nach Aussage Ünsals so, dass die Senatsverwaltung als Landesstelle selbst keine Beratung durchführe, es aber Beratungsnetzwerke gäbe. Muslimische Kopftuch tragende Frauen beklagten sich dabei vor allem über Diskriminierungen am Arbeitsplatz, auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt. Doch auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Agentur für Arbeit müssen sich muslimische Kopftuch tragende Frauen anhören: „Mit Kopftuch haben Sie keine Chance.“ Erste Gerichtsurteile infolge von Diskriminierungen solcher Art liegen bereits vor. Es sei allerdings davon auszugehen, so Ünsal, dass viele Diskriminierungserlebnisse einfach nicht gemeldet werden.
Darüber hinaus gäbe es ganz unterschiedliche Motive, warum sich Frauen für das Tragen eines Kopftuches entscheiden. Mode und Identitätssuche spielten hier eine Rolle. Bei Kopftuch tragenden Frauen mit Bauchnabelpiercing gehe es beispielsweise eher um Abgrenzung und Rebellion gegenüber den Eltern. Auch Gruppenzwang spiele eine Rolle. Natürlich, so Ünsal, seien Zwang und Diskriminierung gegenüber nicht Kopftuch tragenden Muslimas nicht hinnehmbar, aber die Senatsverwaltung sei dafür nicht zuständig, weil hier das AGG nicht greife. Vor allem aber dürfe man diejenigen Frauen nicht vergessen, die sich freiwillig dazu entschieden haben, ein Kopftuch zu tragen. Keiner Frau, die sich freiwillig für das Kopftuch entschieden hat, so Ünsal weiter, dürfe ein Leben ohne Diskriminierung verwehrt werden. Doch bei beiden Problemen muss die Lösung in gezielter Förderung und dem Aufzeigen von Alternativen bestehen. Dringend notwendig seien Projekte und Sensibilisierungsarbeit, damit sich Frauen aus Zwangssituationen lösen können.

Nichtsdestotrotz sind sich Gilzmer und Ateş einig: Das Kopftuch ist ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. Die patriarchalischen Verhältnisse müssten ausgeräumt werden. Ünsal weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Tragen eines Kopftuches nicht unbedingt Ausdruck patriarchalischer Verhältnisse sein muss, vor allem dann nicht, wenn sich eine Frau freiwillig zum Tragen eines solchen entscheidet. Nicht die wachsende Religiosität sei das Problem, sondern eher der Umgang mit dieser. Sie betont, Menschen hätten ein Recht darauf, religiös zu sein. Auf politischer Ebene wird der Entwicklung durch das Islamforum Rechnung getragen, in dem der Senat mit Muslimen, Moscheevereinen, dem Verfassungsschutz u.a. eng zusammenarbeitet. Schlussendlich wirft Ünsal zwei Fragen auf: Wie bewerten wir Symboliken? Und: Wie gehen wir mit unterschiedlichen Lebenskonzepten um? Es könne nicht sinnvoll sein, alles nach dem eigenen Ideal zu bewerten. Die wirklich relevante Frage sei: Wo sehen wir die Demokratie gefährdet?

Der Bericht ist hier als pdf herunterzuladen.

Zimmer mit Frau

Nawal Samarai ist vor ein paar Tagen von ihrem Amt als Frauenbeauftragte der irakischen Regierung zurückgetreten. Die Begründung ist interessant: mit einem Budget von max. 7500 Dollar im Monat und mit so gut wie keinerlei Autorität ausgestattet, ließe sich einfach nichts ausrichten. Die Ärztin war den Posten mit hohen Zielen angetreten, sah sie doch eine Chance den zahllosen Witwen und anderen Frauen zu Hilfe zu kommen, die von Krieg und seinen Folgen besonders betroffen sind. Nadia Ibrahim, ein weiteres irakisches Parlamentmitglied beschreibt den Posten folgendermaßen:

Es ist gar kein richtiges Ministerium, es ist nur ein Zimmer, mit einer Frau, ohne Budget und Mitarbeiter. Es ist eine Finte.

Samarai selbst berichtet, dass Präsidenten Mailki stets in eine andere Richtung schaute oder sie einfach nur anlächelte, wenn sie nach mehr Autorität oder Geld fragte.

Die Posten in den Ministerien sind in der Regel gut bezahlt, weitere Vergünstigen wie neue Autos und Häuser gehören auch dazu. Dies sei ein Grund warum so wenige Politiker sich beschweren. Nawal Samarai kehrt dem nun den Rücken und kehrt zurück nach Mosul in ihre Praxis, wo sie wahrscheinlich mehr ausrichten kann.

Kopftuchstudien

An dieser Stelle sammeln wir Links und Hinweise auf Studien (auch Teilbereiche) zum Thema Kopftuch, Motivationen und Weltanschauungen der Trägerin, Lebenswelten und Diskrimierungserfahrungen Muslimischer Frauen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird ständig erneuert:

  1. Das Kopftuch – die Entschleierung eines Symbols
    von Frank Jessen und Dr. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (2006) für die Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt, Befragung von 315 muslimische Frauen mit Kopftuch.
  2. Harald Klier, Antidiskriminierungsstelle im Büro des Ausländerbeauftragten des Landes Brandenburg (2002): Diskriminierung von muslimischen Frauen, Ergebnisse einer Befragung in Brandenburg, Potsdam.
  3. Canan Korucu (2004): Selbst- und Leibilder junger Kopftuch tragender Musliminnen türkischer Herkunft in Berlin – Eine qualitative Studie anhand von Leitfadeninterviews, Magisterarbeit Berlin.
  4. Dr. Schirin Amir-Moazami (2004): Politisierte Religion – Der Kopftuchstreit in Deutschland und Frankreich, Bielefeld transcript.
  5. Yasemin Karakasoglu-Aydin (2000): Muslimische Religiosität und Erziehungsvorstellungen, Iko-Verlag für Interkulturelle Kommunikation.
  6. Muslime in Deutschland“, Bundesinnenministerium (Dezember 2007).
  7. Katherine Bullock (2002): Rethinking Muslim Women and the Veil: Challenging Historical and Modern Stereotypes, International Institute of Islamic Thought.

Nafisa.de online

Nach einigen Auf- und Umbauarbeiten sind wir nun endlich online.

Wir – das sind Kathrin Klausing, Silvia Horsch und Nina Mühe – haben uns entschlossen, einige Anliegen der “AG Muslimische Frau in der Gesellschaft” weiter zu verfolgen, die seinerzeit die Seite Muslimat-Berlin betrieben hat. Uns war immer besonders wichtig einen Beitrag in der noch immer anhaltenden Diskussion um muslimische Frauen in der (deutschen) Gesellschaft zu leiten – einen Beitrag von muslimischen Frauen selbst. Dies wollen wir nun mit einer neuen Seite angehen. Auf www.nafisa.de wollen wir über unsere Arbeit, Ansichten und Ergebnisse informieren. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Erstens möchten wir uns am gesellschaftlichen Diskurs über den Islam und muslimische Frauen beteiligen. Schon oft haben wir uns an einseitigen Debatten und tendenziöser Berichterstattung zu einer Reihe von Themen gestört und wollen deshalb unsere Sicht der Dinge in die Diskussion bringen.

Gleichzeitig sind wir aktiv an innerislamischen Diskussionen um das Thema Frau und Geschlechterverhältnis beteiligt und wollen dies auf nafisa einerseits dokumentieren und andererseits kontrovers diskutieren. So hoffen wir eine Diskussion voran zu bringen, indem wir u.a. auf Aspekte hinweisen, die unserer Meinung nach zuwenig berücksichtigt werden.

Wir werden weiterhin die Inhalte der “AG muslimische Frau in der Gesellschaft” auf unseren Seiten zur Verfügung stellen und auch den Newsletter weiterführen. Schicken Sie uns also weiterhin Hinweise zu interessanten (wissenschaftlichen) Veranstaltungen zum Thema Islam oder Frauen in Deutschland. Wenn Sie den Newsletter nicht mehr beziehen möchten, lassen Sie uns dies per Mail wissen.

Wir starten unser neues Projekt mit einem Artikel von Nina Mühe zu den Reaktionen, die eine Broschüre des Berliner Senats gegen die Diskriminierung von kopftuchtragenden Frauen hervorgerufen hat:

Mit Kopftuch – zu Recht? – Außen vor?

Themenwoche “Islam” beim FEZ-Berlin

Vom 12. bis zum 15. Februar veranstaltete das FEZ Berlin eine Themenwoche für Schüler/innen der 4. – 13. Klassen aus Berlin. Wir waren auch dabei als Referentinnen für Einführungsveranstaltungen und Workshops zu den Themen “Geschlechterverhältnis im Islam” und “Glaubensvorstellungen und -praktiken im Spiegel moderner Lebenspraxis”.

Die Themenwoche stand unter dem Motto “Assalamu alaikum – was wir schon immer über den Islam wissen wollten…“. Hunderte Schüler aus ganz Berlin kamen für einen Vormittag zum FEZ an der Wuhlheide um zu diskutieren, Fragen zu stellen und Meinungen auszutauschen. Für uns war diese Woche eine wichtige Erfahrung und Herausforderung, die mit viel Spaß verbunden war. Hier ein paar Fotoeindrücke: