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Kommentierte Linksammlung 01/10

Burka, Burka und kein Ende

Nachdem in Frankreich vorerst kein Burkaverbot zustande kommt, in Italien über Burkaverbote nachdenkt, lassen auch deutsche Politiker sich nicht lumpen und fordern nun ein eben solches – im öffentlichen Dienst z.B., wo sich ja bekanntermaßen die Burkaträgerinnen nur so tummeln. Dass die Rufe nach einem Verbot von Burkaträgerinnen in Bussen, der Aufruf sie nicht mehr in Cafes zu bedienen, oder der Ausschluss dieser Frauen von Visa nicht grade angetan sind, Frauen zu befreien oder sie gar willkommen zu heißen erübrigt sich wohl von selbst – es scheint so manchen selbsterklärten Feministen nur zu entgehen. Interessant wäre auch zu erfahren, ob man auch weiterhin die gut zahlenden Patienten und Touristen aus den Golfstaaten dieser Behandlung zu unterziehen gedenkt…

Mit einer Engelsgeduld und einer bewundernswerten Ernsthaftigkeit erklärt Hilal Sezgin in einem Interview und einem Artikel warum solche Forderungen völliger Schwachsinn sind.

Die Burka ist übrigens gar keine Burka, sondern ein Chadri. So zumindest heißen die meist blauen Gewänder, die man von Bildern afghanischer Frauen kennt. Eine Burqa ist eine Art goldfarbene Gesichtsmaske, die traditionell von Frauen in den arabischen Emiraten getragen wird. Eine moderne Adaption der Burqa als Sonnenbrille haben zur Erhaltung dieser Tradition sich Designer aus den Emiraten überlegt.

Die Gesichtsverschleierung hat eine lange Geschichte im nahen und mittleren Osten, die sich hauptsächlich mit dem Islam in Verbindung bringen lässt. Schon Jahrhunderte vor unsere Zeitrechnung lassen sich griechische Gesichtsschleier belegen. Im nahen und mittleren Osten wurden oder werden Gesichtsschleier teils auch von Männern, armenischen Nonnen oder Jüdinnen getragen. Es gibt tatsächlich so etwas wie Textilhistoriker, die sich die Mühe machen, die Geschichte und Bedeutung eines solchen Bekleidungsstückes zu erforschen: “Covering the Moon” von Gillian Vogelsang-Eastwood und Willem Vogelsang ist eine reich bebilderte, ausführliche Arbeit zu diesem Thema.

Wie es sich mit einer Burka bekleidet lebt, wollte die französische Künstlerin Bérengère Lefranc wissen. Mit einem – bezeichnenderweise lilafarbenen – Ganzkörperkleid zog sie durch die Straßen von Paris. “Sie bezeichnet ihre Erfahrungen damit als “die Hölle”. Das lag neben den hohen Temperaturen vor allem an dem offenen Hass der ihr von Passanten begegnete – vor ihr wurde ausgespuckt, ihr wurde der eintritt in den Supermarkt verwehrt und es gab sogar Situationen in denen sie Todesangst hatte. Schönen dank auch an die selbst ernannten Frauenbefreier, das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.

Feminismus und muslimische Frauen

Birgit Rommelspacher hat mit ihrem Artikel über thematische Überschneidungen mancher Feministinnen mit dem Rassismus rechter Parteien eine hitzige Debatte ausgelöst.

Auch die österreichische Journalistin Ingrid Thurner kritisiert in ihrem Artikel “Das Kopftuch: der Stoff, aus dem Vorurteile sind” einen Feminismus, der die Muslimin als Opfer – und nur als das – braucht.

Gründungen

Das Aktionsbündnis muslimischer Frauen hat seit ein paar Tagen eine eigene Website, auf der Satzung, Ziele und Aufnahmeanträge eingesehen werden können. Eine weitere Gründung kommt aus Frankfurt daher: die Frankfurter Initiative progressiver Frauen, deren Mitglieder Vorbilder für Migrantinnen sein wollen. Mitglieder mit Kopftuch will man explizit nicht aufnehmen, da man “ausdrücklich dem in Deutschland vorherrschenden Klischee der Kopftuch tragenden, unterdrückten, ungebildeten und tief im Islam verwurzelten Migrantin entgegentreten” will, so Ezhar Cezairli. Nun, dieses Klischees ließen sich doch durch Frauen wie die Herzchriurgin Feyzan, die Rechtsanwältinnen Kadriye Aydin
und Marziya Özisli hervorragend widerlegen. Aber darum geht es der Initiative ganz offensichtlich nicht, denn mit einem solchen Ausschluss bestätigt man dieses Vorurteil ja nur.

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